La Musica

Sicherlich ist ein Besuch des Theaters „La Fenice“ ein ganz besonderes (und ganz besonders teueres) Erlebnis. Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gebäude wurde nach einem verheerenden Großbrand im Jahre 1996 detailgetreu wieder aufgebaut und hat insbesondere Opernaufführungen auf seinem Spielplan. Wir waren einmal im Fenice, allerdings nicht als Opernbesucher, sondern als Profiteure eines Streiks. Als die italienische Regierung vor Jahren die Kulturausgaben drastisch reduzieren wollte, streikte das Ensemble und lud zu kostenlosen Proben seines Könnens ein. Wir kamen zufällig vorbei und schwelgten!

Wer nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte oder keine Karten bekommt, kann eines der überall in der Stadt angebotenen Vivaldi oder Händel-Konzerte in einem Festsaal buchen. Meist spielt das Orchester in Barockkostümen vor historischer Kulisse. Wir haben es nie ausprobiert, weil wir so unsere Zweifel haben, was die Qualität anbelangt. Aber vielleicht tun wir den wacker „Die vier Jahreszeiten“ spielenden Musikern auch Unrecht!

Wir haben für uns eine sehr schöne Alternative entdeckt. Wenn man die Anschläge an den Kirchentüren studiert, findet man ab und zu einen Hinweis auf ein Kirchenkonzert, das in der Regel gegen eine kleine Spende kostenlos angeboten wird. Insbesondere für Laienchöre ist es ein Höhepunkt ihres Chorlebens, in einer der Kirchen zu singen. Wir haben auch schon sehr eindrucksvolle Orgelkonzerte erlebt. Der Musik in einer der prachtvoll ausgestatteten Kirchen zu lauschen, ist ein ganz eigenes Erlebnis und entlässt einen beschwingt in den Abend.

Auf den „Cane“ gekommen!

Die Venezianer scheinen ein neues Statussymbol gefunden zu haben: den Hund. Früher sah man sie eher selten in der Stadt, und sie schienen alle eine Stammesmutter von undefinierbarer Farbe gehabt zu haben. In gewisser Weise ähnelten sie den Corgies der Queen: kurzbeinig, langer Rücken und spitze Schnauze. Keine Schönheiten, aber handfest. Bevorzugt sah man sie auf dem Bug der Schiffe, wo sie sich den Wind um die Nase wehen ließen und wie erfahrene Seeleute wirkten! Wo sind sie nur geblieben?

Heute scheint das Motto zu sein, je größer und je mehr desto besser, gerne auch im Format eines weißen Schoßhündchens. Mir tun die Tiere ausgesprochen leid. In dieser steinernen Stadt mit nur wenigen öffentlichen Parks werden sie an der Leine im wortwörtlichen Sinn „Gassi geführt“ und haben nur wenig Auslauf.

Ich vermute, dass die Venezianer mit ihren Hunden zu verstehen geben wollen, dass sie ortsansässig sind und sich dieses Statussymbol leisten können. Bei der Metzgersfrau haben wir auch schon eine Visitenkarte von „Lupi di Mare“ entdeckt, die einen 24-stündigen Dog-Service anbieten.

Diese „Überbevölkerung“ bleibt natürlich nicht ohne Folgen. Auch wenn die Hinterlassenschaften meistens in Tütenform entsorgt werden, in den Winkeln der Stadt riecht es, gerade nach einer Hitzewelle, häufig sehr streng.

 

Fortuny

Wer wie ich eine Schwäche für schöne Stoffe und eine Leidenschaft für Gärten hat, dem empfehle ich ein vergnügtes Stündchen bei Fortuny. Vielen Besuchern der Kunst-Biennale wird der Palazzo Fortuny im Stadtteil San Marco bekannt sein, in dem zu Biennale-Zeiten häufig spektakuläre Ausstellungen gezeigt werden. Ich meine jedoch die Fabrik/Werkstatt Fortuny, die auf der Guidecca direkt neben der Stucky Molino liegt.

Mariano Fortuny, geboren 1871 in Granada, war ein äußerst talentierter Mann, der in vielen künstlerischen Sparten unterwegs war. 1889 ließ er sich in Venedig nieder, wo er 1949 starb. Bekannt wurde er vor allem durch seine Stoffe, die in einem aufwendigen, bis heute geheimen Verfahren in der venezianischen Fabrik auf der Guidecca hergestellt werden. Das Ergebnis sind traumhafte Stoffe aus hochwertigem Cotton und Kaschmir. Die Produktion einer Rolle Stoff benötigt einen Arbeitsaufwand von drei bis vier Monaten, weil Farbschicht um Farbschicht nach einem vorhergehenden Trocknungsprozess aufgetragen und zum Schluss per Hand bearbeitet wird. Verständlich, dass ich mich nach den Preisen nicht erkundigt habe. Der in der Galerie zu bewundernde Fuchs im Samurai-Kostüm kostet alleine schon € 1.999, kein echtes Schnäppchen! Der Werkstatt angeschlossen ist ein Showroom, den man auch als Privatkunde besuchen kann. Es ist ein Vergnügen, die außergewöhnlichen Muster und die leuchtenden Farben zu bewundern, auch wenn das Budget nur für ein kleines, mit dem berühmten Stoff bezogenes Notizbuch reicht!

Hinter der Fabrik liegt der Privatgarten Fortuny. Eigentlich kann er nur nach Voranmeldung besucht werden. Ich hatte immer das Glück, ihn auch spontan besichtigen zu dürfen. Besonders zur Zeit der Rosenblüte ist der Garten ein Traum. Leider wird zurzeit keine Chefgärtnerin gesucht!

Besuch der Accademia

Zu den Höhepunkten unseres Venedig-Aufenthaltes gehört zweifelsohne der Besuch der Accademia die Belle Arti. Seit vielen Jahren besuchen wir dieses Museum, das die weltgrößte Sammlung venezianischer Kunst beherbergt. Und so genießen wir es immer, alte Freunde wiederzusehen. Veneziano, Vivarini, Bellini, Tizian, die Liste ließe sich mühelos verlängern. Es ist eine beneidenswerte Sammlung!  Nach einigen Stunden verlassen wir dann das Haus, erschöpft aber glücklich.

In diesem Jahr waren wir zunächst etwas enttäuscht, weil einige Hauptwerke ausgeliehen waren, so auch das Gemälde des schõnen Jünglings von Lorenzo Lotto. Und schöne Männer schaue ich mir immer gerne an! Zudem war die große Galerie wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen, was zur Folge hatte, dass mein Lieblingsgemälde, die Pietà von Tizian, äußerst unglücklich hing. Aber trotzdem, es ist Freude pur. Nur von dem Erwerb eines Audio-Guides  rate ich dringend ab. Das Konzept stammt vermutlich aus der Zeit der Audioguide-Saurier und ist sein Geld nicht wert. Und auch die Ermäßigung für Besucher über 65 Jahre wurde abgeschafft. Davon hätte ich in diesem Jahr zum ersten Mal profitiert!!!